‎„Ich habe mich für meine Familie geschämt“‎

Wie eine neue Generation junger Deutscher Verantwortung für den Holocaust und die Zukunft der deutsch-israelischen Beziehungen übernimmt

Am Vorabend von Yom Hashoa, dem israelischen Gedenktag an den Mord von 6 Mio. Juden im Holocaust fand in ADI Negev-Nahalat Eran eine Gedenkzeremonie der ganz besonderen Art statt. Die Freiwilligen Anna-Suzette „Setti“ Pfeiffer, Shauna Wither und Leo Ebe kamen zu ADI, um mit Menschen mit schweren multiplen Behinderungen zu arbeiten. Ihre Hauptmotivation basiert jedoch auf den Prinzipien vom „Marsch des Lebens“, ihrer Entsendeorganisation: Den Holocaust auf einer ganz persönlichen Ebene aufzuarbeiten, Anti-Semitismus bekämpfen und mit dem jüdischen Volk und dem Staat Israel zu stehen.

Deswegen wollten diese jungen Menschen ihrer Vergangenheit nicht aus dem Weg gehen, sondern dieser direkt zu begegnen, so unangenehm sie auch sein möge. Alle Urgroßväter von Setti waren überzeugte Nazis. Ob in der Wehrmacht oder als einer der Ingenieure von Auschwitz, sie waren definitiv keine Mitläufer; der Urgroßvater von Leo hat Umsiedlungen von Deutschen in den Osten ausgeführt, und auf seinem Weg jüdische Dörfer abgebrannt, geplündert und getötet; Shaunas Urgroßvater entschied an der Grenzkontrolle über Leben und Tod – wer durfte ausreisen und wer zum ultimativen Tod verurteilt. Obwohl sie im Alltag offen über ihre Vorfahren sprechen, waren auch sie bei dieser Zeremonie zutiefst gerührt, als sie in die Augen der anwesenden Holocaustüberlebenden sahen und mit der Vergangenheit ihrer Familie auf so eine direkte Weise konfrontiert wurden. Unter Tränen baten sie um Vergebung für die Schandtaten ihrer Vorfahren und versprachen Verantwortung für eine bessere Zukunft zu übernehmen. Wie der anwesende stellvertretende Botschafter von Deutschland in Israel, Dr. Jörg Walendy, bemerkte, ist es an uns, die Lehren aus der Vergangenheit zu nehmen und diese den weiteren Generationen näher zu bringen. Diese unglaublichen jungen Menschen laufen nicht vor ihrer Familienvergangenheit weg; trotz der Scham ignorieren sie sie nicht; auch wenn sie die Gräueltaten ihrer Vorfahren nicht wiedergutmachen können, so können sie doch eine bessere Zukunft für uns alle aufbauen. „In dem sie nach Israel kommen, um in Einrichtungen wie ADI zu arbeiten und den Schwächsten unter uns zu dienen, dienen sie unserer Gesellschaft und der Menschheit als Ganzes“, so Dr. Walendy. Vielen Dank, liebe Setti, Shauna und Leo. Auf das wir gemeinsam eine bessere Zukunft erreichen werden!