Nach zwei Jahren schwerer Konflikte, Tausenden Verletzten und einem enormen Bedarf an Rehabilitationsangeboten hat Israel einen historischen Schritt gesetzt: Am ADI Negev–Nahalat Eran wurde die erste Schule für Prothetik und Orthetik des Landes eröffnet. Damit erhalten die rund 20.000 Amputierten in Israel erstmals Zugang zu einer professionellen, international anerkannten Ausbildung im eigenen Land.
Ein Meilenstein für Israels Rehabilitationslandschaft
Die Notwendigkeit wurde insbesondere nach dem 7. Oktober 2023 deutlich, als im Kaylie Rehabilitationskrankenhaus des ADI-Dorfes zahlreiche schwerverletzte Soldaten und Zivilisten behandelt wurden. Viele von ihnen verloren Gliedmaßen – und damit wurde sichtbar, wie dringend Israel fachlich ausgebildete Orthopädietechniker benötigt.
Um dieser Lücke zu begegnen, entwickelte ADI Negev–Nahalat Eran gemeinsam mit der Ben-Gurion-Universität und mit Unterstützung des Gesundheitsministeriums, der Jewish Federations of North America und JNF-USA eine umfassende Ausbildungsstruktur. Das neue Programm ist von der International Society for Prosthetics and Orthotics anerkannt.

Die erste Kohorte besteht aus zwölf Studierenden mit Bachelorabschlüssen in Physio- oder Ergotherapie – darunter drei Mitarbeitende von ADI Negev, die ihre Qualifikation erweitern. Der Unterricht findet abwechselnd an der Ben-Gurion-Universität und im modern ausgestatteten Prothetikzentrum des Dorfes statt.
„Es ist ein historischer Moment für ADI und für ganz Israel“, betont Dr. Itzhak Siev-Ner, Direktor des Kaylie Rehabilitationskrankenhauses. „Erst jetzt schaffen wir die professionellen Grundlagen, um den steigenden Bedarf an hochwertiger prothetischer Versorgung wirklich zu decken.“
Eigene Produktionsstätte geplant
Um die Versorgung in der Negev-Region weiter zu stärken, plant ADI die Eröffnung der ersten Prothetik- und Orthetik-Werkstatt des Südens. Sie wird Arbeitsplätze schaffen und dafür sorgen, dass Patient*innen des Kaylie Rehabilitation Medical Centers priorisiert und schnell mit individuell angepassten Prothesen versorgt werden können.
Ein Programm mit besonderer Bedeutung
Die Eröffnung der Schule war geprägt von tiefer Dankbarkeit – und dennoch von Trauer. Carey Glass, ein renommierter Orthopädietechniker aus New Jersey, der maßgeblich an der Entwicklung des Programms beteiligt war und als klinischer Berater vorgesehen war, verstarb nur eine Woche vor Beginn des Kurses.
Glass war über 40 Jahre in seinem Fach tätig, hielt mehrere Patente und war in den USA eine anerkannte Größe. Nach einem Besuch im ADI-Dorf hatte er entschieden, seine Expertise nach Israel zu bringen und die Ausbildung mitzugestalten. „Carey war ein Visionär und ein außergewöhnlicher Mensch“, sagt Dr. Siev-Ner. „Dieses Programm ist Teil seines Vermächtnisses.“
Eine Zukunft mit mehr Expertise – für Israel und darüber hinaus
Für die Leiterin des Programms, Yael Dotan-Marom, ist die neue Schule ein Wendepunkt:
„Wir verändern die Rehabilitationslandschaft Israels. Künftig müssen Patientinnen und Patienten nicht mehr ins Ausland reisen, um Zugang zu modernsten Prothetik-Technologien zu erhalten. Das Know-how wird hier entstehen – im Negev.“

Mit der neuen Ausbildungsbahn setzt ADI Negev–Nahalat Eran ein starkes Zeichen für die Zukunft: mehr Fachkräfte, bessere Versorgung und umfassende Unterstützung für alle Menschen in Israel, die nach schweren Verletzungen den Weg zurück ins Leben suchen.
