frei übersetzt nach Sharon Altshul, 15. August 2025
Während sich die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Gefallenen und Geiseln richtet, kämpfen viele Soldaten einen stillen Krieg – jenseits der Schlagzeilen.
Stellen Sie sich vor, Sie kehren vom Krieg zurück, erschöpft, verletzt und im Rollstuhl, nur um zu entdecken, dass Ihr Zuhause plötzlich unzugänglich ist. Treppen, Wege, selbst einfache Räume werden zu Hindernissen. Tausende Soldaten, viele von ihnen Opfer schwerster Verletzungen, müssen nun einen neuen Kampf führen: um Mobilität, Würde und den Alltag.
Dank moderner Kriegsmedizin, schneller Evakuierungen und effektiver Trauma-Versorgung überleben heute mehr Soldaten als je zuvor – doch die körperlichen und seelischen Narben begleiten sie für den Rest ihres Lebens.
Der lange Weg der Genesung
Das Gandel-Rehabilitationszentrum in Jerusalem
Am Gandel Rehabilitationszentrum auf dem Hadassah-Campus Skopusberg erleben Überlebende von schweren Verletzungen eine neue Art von Genesung. „Wir retten mehr Leben als je zuvor“, sagt Prof. Yoram Weiss, Generaldirektor der Hadassah Medical Organization. Viele Patienten kommen mit komplexen Verletzungen, Amputationen, neurologischen Schäden und psychischen Traumata.
Die 140-Betten-Einrichtung öffnete im Januar 2024, um dem akuten Bedarf nach dem 7. Oktober gerecht zu werden. Unterirdische Schutzräume boten während iranischer Raketenangriffe im Juni 2025 120 Patienten Sicherheit für zwei Wochen.

Oberstleutnant Yonti Bahat, verwundet während Einsätzen in Gaza, beschreibt seinen Weg zurück ins Leben:
Bahat war im Ausland im Urlaub, als Hamas am 7. Oktober ihren brutalen Überraschungsangriff startete. Entschlossen, zu seiner Einheit zurückzukehren, obwohl es keine Flüge von seinem Standort gab, mietete er ein Auto, erreichte einen abgelegenen Flughafen, redete sich in einen überfüllten Flug und landete schließlich in Israel, bereit zu kämpfen.
Am 8. Januar 2024 führte er seine Reserveeinheit in Gaza, als Terroristen aus einem Schacht auftauchten und sein Team überfielen. Bahat wurde von sechs Kugeln getroffen – beide Beine, die linke Schulter und eine Lunge.
Er wurde innerhalb von 40 Minuten nach dem Schuss ins Barzilai Medical Center gebracht und sofort operiert. Eine Woche später wurde er nach Hadassah Ein Kerem verlegt. Dort lag er zwei Wochen im künstlichen Koma und unterzog sich mehreren komplexen Operationen. Nach eineinhalb Monaten intensiver stationärer Behandlung wurde er ins Gandel Rehabilitationszentrum überführt und begann eine fünfmonatige, harte Rehabilitation.
„Rehabilitation bedeutet nicht nur wieder laufen zu lernen“, sagt Bahat. „Es bedeutet, einen Sinn zu finden. Jeder Schritt ist ein Kampf – und gleichzeitig ein Sieg.“
Für Bahat bedeutete dies zahlreiche Operationen, die Behandlung schwerer Nerven- und Muskelschäden in seinem verletzten Bein sowie eine Schulterprothese. Heute pendelt er von seinem Zuhause auf einem Moshav zweimal wöchentlich zu den Therapien in Jerusalem.
Bahat war sich der Schwere seiner Verletzungen bewusst. Als militärisch geschulter Soldat kannte er sich mit der Einschätzung von Kampfverletzungen aus. Er wusste genau, was geschah: Seine Lunge war kollabiert, er spuckte Blut.
Ironischerweise spielte auch sein eigenes Unternehmen „Extreme Simulations“ eine Rolle: Es bereitet Militärs und Rettungsdienste auf lebensbedrohliche Situationen vor, inklusive realitätsnaher Simulationen mit Schauspielern und Dummies. Eine der Sanitäterinnen, die Bahat im Feld behandelten, war eine Reservistin, die er persönlich in medizinischen Simulationstrainings geschult hatte. Die Fähigkeiten, die sie dort gelernt hatte, retteten ihm schließlich das Leben.
ADI Negev: Heilung im Süden
steht das Kaylie Rehabilitation Medical Center von ADI Negev–Nahalat Eran, kurz ADI Negev, als lebenswichtige Einrichtung für Israels Verwundete und Menschen mit Behinderungen. Es ist das erste und einzige Rehabilitationskrankenhaus im Süden Israels und wird in Zeiten des andauernden Krieges noch unverzichtbarer.
Seit Oktober 2023 hat ADI Negev über 1.250 stationäre Patienten behandelt, mehr als 200.000 stationäre Therapien durchgeführt und über 50.000 ambulante Behandlungen angeboten. Aktuell befinden sich 60 IDF-Soldaten in Behandlung, zusätzlich nehmen 50 Soldaten und deren Familien am PTSD-Fokusprogramm „Taking Charge of Life“ teil.
Als im Juni 2025 eine iranische Rakete das Soroka Medical Center traf und den alten Operationssaal zerstörte, sprang ADI Negev binnen Stunden ein. Das Kaylie Center, speziell entworfen, um Raketen, chemische und biologische Angriffe abzuwehren, übernahm die Rehabilitationspatienten von Soroka ohne Verzögerung.
„Dieses medizinische Zentrum ist Teil unseres Beitrags zur nationalen Resilienz Israels“, erklärt Maj. Gen. (Res.) Doron Almog, Gründer und Vorsitzender von ADI Negev–Nahalat Eran sowie Vorsitzender der Jewish Agency for Israel. „Wir sind für diesen Moment gebaut – um weiterzumachen, wenn andere aufhören müssen.“
Dieses Engagement wurde für Shai Pinker, Vater von drei Kindern aus Dimona, besonders persönlich. Nur wenige Wochen zuvor hatte er einen katastrophalen Motorradunfall erlitten. Während er in Soroka wieder das Laufen erlernte, schlug die Rakete ein. Auf wundersame Weise erreichte Shai kurz vor der Zerstörung seines Krankenzimmers den Schutzraum.
Noch am selben Tag wurde er nach ADI Negev verlegt. Unterstützt von einem engagierten Reha-Team und einem Anti-Schwerkraft-Laufband konnte er bereits wenige Tage später seine ersten unabhängigen Schritte machen. „Wunder über Wunder“, kommentierte eine Mitarbeiterin – und Shai stimmte ihr zu.
Die Heimatfront: Barrierefreiheit und Würde
In Ra’anana zeigt Beit Issie Shapiro mit seinem Programm „Tech for Heroes“, wie Innovation Leben verändern kann. Ursprünglich entwickelt, um Menschen mit Behinderungen den Alltag zu erleichtern, wird es inzwischen gezielt auf verwundete IDF-Veteranen zugeschnitten.
Von Smart-Home-Technologie über Sprachsteuerung bis zu individuellen Hilfsmitteln erhalten die Soldaten Werkzeuge und Schulungen, um ihre Unabhängigkeit zu stärken und wieder aktiv am Alltag teilzuhaben.
Adi Timor, der durch eine Sprengfalle beide Beine verletzte und eines davon verlor, beschreibt seinen Weg: „Ich kann meine Situation entweder als Hindernis sehen – oder als Teil meines Lebens. Jetzt entscheide ich mich für Letzteres.“
Mehr als 160 verwundete Soldaten haben bereits maßgeschneiderte Unterstützung durch „Tech for Heroes“ erhalten, womit das Programm das einzige in Israel ist, das eine derart umfassende Versorgung dieser speziellen Zielgruppe bietet.
Der “Warrior’s Trail” in Retamim
Im kleinen landwirtschaftlichen Ort Kfar Retamim im Regionalverband Ramat HaNegev wurden nach dem 7. Oktober 90 % der Väter zum Dienst eingezogen. Einige kehrten verletzt zurück, andere überhaupt nicht. Viele stellten nun fest, dass ihr Zuhause und das Dorfgelände nicht mehr zugänglich waren.
Dank Unterstützung durch den Jewish National Fund-USA entsteht nun der barrierefreie „Warrior’s Trail“ (Deutsch.: Der Pfad des Kriegers), ein Rundweg, der alle Häuser des Dorfes verbindet. Der Weg ist nicht nur ein Mittel zur Mobilität, sondern auch ein Symbol für Reintegration, Würde und gemeinschaftliche Stärke.
Hadass Nisan, Leiterin der Abteilung für Ressourcenentwicklung, erklärt: „Dieser Weg wurde nicht nur gebaut, um Häuser zu verbinden, sondern auch, um Herzen zu heilen.“
Avrumi Deutsch, Vater von vier Kindern und im Einsatz verwundet, fügt hinzu: „Der Warrior’s Trail ist mehr als ein Tribut – er ist ein echter, physischer Weg, um frei zu bewegen, sich mit Nachbarn zu verbinden und am täglichen Leben teilzunehmen.“
Orit Harash, deren Ehemann für längere Zeit im Dienst war, ergänzt: „In all den langen Wochen habe ich alles zusammengehalten – unsere fünf Kinder, die Angst, das Unbekannte. Dieser Weg zeigt, dass auch die Heimatfront zählt und unsere Stärke gesehen wird.“
Der Rundweg soll bis Ende 2025 fertiggestellt werden und wird Stationen enthalten, die sowohl den Verwundeten als auch den Frauen, die Familien und Gemeinschaften während der Monate der Unsicherheit zusammengehalten haben, gewidmet sind.
Resilienz wiederaufbauen
Das Schlachtfeld hat sich verändert – und ebenso müssen die Systeme, die Überlebende unterstützen. Jeder Mensch braucht ein individuelles Programm aus verschiedenen Therapien, um Heilung zu erfahren und sein Leben weiterzuführen.
Von Gandel in Jerusalem über ADI Negev im Süden, Beit Issie in Ra’anana bis zu den barrierefreien Wegen in Retamim – eine neue Infrastruktur der Versorgung und Inklusion entsteht.
Es ist eine nationale Herausforderung – und gleichzeitig eine Chance.
Mit fortgesetzter Führung von Hadassah, Beit Issie Shapiro, ADI Negev, lokalen Gemeindeverwaltungen, dem Jewish National Fund-USA und weiteren Reha-Einrichtungen zeigt Israel weiterhin Resilienz: Narben werden zu Stärke, Hindernisse zu neuen Wegen.
Judi Felber, Mutter des schwer verletzten Soldaten Nathaniel Felber, beschreibt ihre Erfahrungen: „Die Unterstützung, die wir in den vergangenen sechs Jahren erhalten haben, seit mein Sohn bei der Wachpflicht angeschossen wurde, war transformierend. Nathaniel lächelt immer, trotz seiner Einschränkungen. Ich habe ein völlig neues Vokabular gelernt und auf dieser Reise unglaubliche Menschen getroffen.“
Israels verwundete Soldaten sind nicht nur Geschichten von Schmerz. Sie sind Geschichten von Durchhaltevermögen. Sie sind keine Symbole der Tragödie – sie sind Symbole der Hoffnung.
Ursprünglicher Beitrag: https://www.jns.org/rehabilitating-the-growing-number-of-wounded-warriors-in-israel
