Weltweite Liebe

von Rachely Teller, Freiwilligen Koordinatorin bei ADI Jerusalem

„Jessica, hast du gesehen, wie Uriel mich angelächelt hat?“ „Hast du gesehen, wie ich Chaya zum Lachen gebracht habe?“

Mit rosigen Wangen, verschwitzt und voll von dem, was sie gerade erlebt haben, gehen die Jugendlichen nach einer gemeinsamen Aktivität in ADI Jerusalem zum Konferenzraum um eine abschließende Diskussion mit Feedbackrunde zu halten.

ADI ist Zuhause, Wohnheim, Berufs- und Freizeitzentrum sowie Schule für Kinder und Erwachsene mit intellektuellen Entwicklungsstörungen, komplexen Erkrankungen und körperlichen Behinderungen. Allein in den letzten Monaten besuchten rund 30 Gruppen aus verschiedenen Ländern und Kontinenten ADI Jerusalem im Rahmen verschiedener Programme.

Eine schnelle Berechnung zeigt, dass 1350 Jugendliche aus aller Welt ADI während des Sommers besuchten, 1350 Jugendliche, die das Glück hatten, ein unvergessliches Erlebnis mit nach Hause zu nehmen. Sie konnten genauer in den Spiegel schauen, ihre Einstellungen neu überdenken und wirklich bewusst schätzen, wie gut es ihnen geht: „Während der halben Stunde, in der ich mit Sigalit getanzt habe, kamen mir Hunderte von Gedanken in den Sinn, Gedanken, über die ich nie nachgedacht hatte. Gerade letzte Woche ging mein iPhone kaputt und ich war außer mir vor Verzweiflung. Ich war schlecht gelaunt und wütend! Wollte mit niemanden reden. Seitdem ich die Kinder in ADI getroffen habe, bin ich anders… ich kann es richtig fühlen! Ich sah Sigalit, tanzte mit ihr, schaute in ihre Augen – obwohl sie schwere gesundheitliche Probleme hat, scheint sie alles zu besitzen, scheint perfekt zu sein. Sie hat mich mit solcher Liebe begrüßt, obwohl sie mich nicht einmal kennt. Sie lachte über meinen Unsinn, obwohl sie sich doch über so viel Beschwerden und weinen könnte.

Nach jedem Freiwilligentreffen bei ADI kamen wir zusammen, um den Tag Revue passieren zu lassen. In meiner langjährigen Rolle als ehrenamtliche Koordinatorin habe ich das Glück, hunderte von Gruppen zu treffen. Und ich bin immer wieder bewegt: Das gute und befriedigende Gefühl, dass alle Beteiligten erfahren, ist so spürbar im Raum. Es ist eine Art Selbsttransformation und der inneren Freude des Verstehens, der Annahme. Diese Gruppen bekommen selbst bei einem einmaligen Besuch einen sehr guten Einblick in die Welt der Kinder. Trotz deren schwerer Behinderungen teilen sie ihre Gefühle, Wünsche, Enttäuschungen und Erwartungen mit. Bei einer 1-stündigen Tätigkeit mit ihnen, haben die Freiwilligen die Möglichkeit, eine Lektion über ihre Vorurteile zu lernen.Ich fühle eine echte Mission in meiner Position als ehrenamtliche Koordinatorin bei ADI. Zusätzlich zu den tollen Menschen, denen ich täglich begegne, und den unglaublichen Einsichten, die sich ergeben, fühle ich mich wie eine Abgesandte die hilft, unsere Gesellschaft zum Besseren zu transformieren. Und die hunderten von Jugendlichen, die bei ADI ehrenamtlich tätig sind, und die tausenden von Besuchern werden zu Botschaftern wo immer sie auch hingehen.

„Es gelang mir, mit einem Kind ein Duett zu singen, etwas das ich für unmöglich hielt. Ich schaffte es, mit einem schwerstbehinderten Jungen zu lachen! Ich bin etwas Besonderes – ich gebe, aber nicht weniger, ich gebe Raum, ich öffne Raum in meinem Herzen! „Und das macht eine so besondere Kommunikation aus. „Ich habe nie geahnt, dass ich so viel Liebe in mir trage.“ „Es ist schade, dass meine Mutter nicht gesehen hat, wie ich die süße Miriam ganz natürlich umarmte. Meine Mutter meint, ich sei so verletzlich und empfindlich und nicht bereit für diese Welt. “

Eine immer wiederkehrende Aussage im Raum – „Was für ein wunderbares Gefühl! Was für ein Privileg!“

Während des ganzen Jahres und besonders im Sommer heißt ADI in Jerusalem Dutzende von Gruppen willkommen, die sich für eine Stunde gemeinsamer Aktivitäten mit den Kindern treffen, und das zusätzlich zu den regulären Freiwilligen. Während diese Besuche Spaß, Aufregung und einen Ausflug aus der täglichen Routine bedeuten, bieten ihnen diese Treffen auch die Möglichkeit, Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen, andere Sprachen und Gerüche erleben und wahrzunehmen. All dies trägt zu ihrem emotionalen Wohlbefinden der Kinder bei. Zu sehen, wie Jugendliche aus der ganzen Welt die Kinder umarmen und mit ihnen auf natürlichster Weise umgehen stärkt nicht nur das Personal, sondern ermutigt sie ihre Arbeit mit voller Energie weiterzuführen. Nicht weniger wichtig ist die neue Selbsterkenntnis, die die Besucher mit sich nehmen: „Im Laufe einer Stunde ist es den ADI Kindern gelungen, unsere Gruppe komplett zu verändern“, sagt Michal, Leiter einer der Israel Experience-Gruppen. „Joel ist immer so kritisch.  Er ist auf der Reise wirklich unerträglich. Zu sehen wie natürlich er sich mit den Kindern bei ADI verbindet erstaunt mich und ich denke ihn auch. „„Ich kann nicht aufhören, an die schöne Sarah zu denken“, schrieb mir Lucy aus Kanada vor einer Woche. Lucy ist ein 16-jähriges Mädchen, das ADI vor einem Monat besucht hat. „Ich fahre nächstes Jahr zu einem Seminarprogramm nach Israel, und ich habe keine Zweifel, wo ich meine Freizeit verbringen werde. Von meinem kurzen Treffen mit Sarah habe ich so viel gelernt. Bitte reserviert mir einen Stammplatz als Freiwillige. „Sehr oft erhalten wir diese Art von Briefen. Während die Außenwelt immer komplizierter wird, findet man bei ADI eine Art Insel der Vernunft vor. Die Kinder, mit ihrer eigenen ruhigen Art und Weise, strahlen unvoreingenommene Liebe zu allen Menschen aus. Sie geben mit ihrem inneren Frieden und ihrer Akzeptanz den Menschen die Möglichkeit, sich wohl zu fühlen. Sie geben mit ihrer ehrlichen Freude (ja, ja!) jeder Person, die das Gebäude betritt, eine außergewöhnliche Lektion in Liebe und Akzeptanz.„Ich komme jede Woche zu ADI, weil ich mich hier wohl fühle“, sagt Amram, einer unserer ständigen Freiwilligen. „Meine besten Freunde sind hier.“Lassen Sie uns offen für Veränderungen sein. Lassen wir einfach zu, dass Dinge passieren und kommen Sie mit offenem Herzen, um bei ADI Jerusalem (oder an einem anderen ähnlichen Ort) einen Freiwilligendienst zu machen.Wir sind es gewohnt, Menschen zu prämieren, die die Gesellschaft zum positiven verändern. Nach einem Sommer voller Aktivitäten mit Hunderten von Besuchern, die von unseren Kindern „mit Liebe übersäht“ wurden, überlasse ich Ihnen die Entscheidung, wer einen Preis verdient.Die Kinder haben trotz ihrer Behinderungen oder vielleicht auch wegen ihrer Behinderungen einen großen Einfluss darauf, wie unsere Gesellschaft aussieht. Sie haben die Stärke die Menschen um sie herum zu verbessern, sie aufmerksamer und zu akzeptableren Menschen zu verändern.